25. Oktober 2021

Was TikTok, Instagram und Snapchat über dich wissen

Unsere liebsten Apps greifen leider haufenweise Daten ab. Welche das sind und was das für dich bedeuten kann, erzählen wir dir in diesem Artikel.

Cookies machen’s möglich. Einige der kleinen Code-Schnipsel heften sich beim Besuch einer Website an deinen Rücken, verfolgen dich auf deinem Weg durchs Internet und zeichnen auf, wo du dich rumtreibst. Das ist vor allem für Unternehmen interessant, denn mit dem Wissen um dein Nutzungsverhalten, können sie dir personalisierte Werbung ausspielen.

Das Internet kennt deine Geheimnisse

Cookies sammeln aber noch viel mehr. Sie kennen deine IP-Adresse, dein Geschlecht, deine Konto- und deine Kreditkartendaten. Das ruft Datenschützer auf den Plan, die sich für mehr Transparenz einsetzen und den Nutzern die Gefahren von einem allzu sorglosen Umgang mit den eigenen Daten aufzeigen möchten. Vergangene Skandale geben ihnen recht.

Kontroversen der Vergangenheit

Haben alle Internet-Riesen Dreck am Stecken? Vielleicht. Oft sind es die ganz Grossen, die mit dem (Datenschutz-)Gesetz in Konflikt geraden. Hier folgen einige Beispiele:

1.) TikTok und seine Nähe zur chinesischen Diktatur

TikTok gehört zum chinesischen Unternehmen Bytedance. Bekannterweise ist China keine Vorzeigedemokratie und TikTok wird immer wieder eine gewisse Regimenähe unterstellt. Im April 2021 wurde der chinesischen Entertainment-App zusätzlich schlimmer Datenmissbrauch vorgeworfen. Mit automatisierten Verfahren wie Algorithmen, künstlicher Intelligenz und Gesichtserkennung soll die App gezielt Daten von Kindern gesammelt und für Werbung weiterverarbeitet haben.

2.) Instagram teilt deine Daten mit Facebook

Wer Instagram sagt, muss auch Whatsapp und Facebook sagen. Alle drei Apps gehören zum Facebook-Konzern und sind ein datenschutztechnischer Albtraum. Hier werden deine Daten gesammelt und untereinander getauscht wie Panini-Bildli. Wie gefährlich dir Insta werden kann, zeigte der Skandal im Frühjahr 2019. Damals wurde bekannt, dass Millionen von Passwörtern von Insta-Usern unverschlüsselt auf internen Servern gespeichert worden waren. Auch wenn Insta diese Sicherheitslücke in der Zwischenzeit geschlossen hat: Facebook-Server sind nach wie vor ein beliebtes Ziel für Hacker.

3.) Snapchat – die Cybermobbing-Hölle

Grössere Datenschutzskandale sind bei Snapchat bis jetzt ausgeblieben. Dein Account ist aber ohne Zweifel hackbar – und bei Snapchat wäre ein Hack besonders schmerzhaft. Es liegt in der Natur der App, dass auch sensible Fotos und Clips geteilt werden. Diese werden bis zu 24 Stunden auf den Servern von Snapchat gespeichert. Gemäss einer Untersuchung von Thorn teilen Jugendliche auf keiner anderen Plattform so häufig Nacktbilder wie auf Snapchat. Ausserdem wird die Plattform immer wieder im Kontext von Cybermobbing-Fällen genannt.

Du siehst, ein allzu grosses Vertrauen in die Tech-Firmen kann ins Auge gehen. Nicht nur wegen Datenmissbrauch, sondern auch wegen Hackerangriffen. Mit grosser Reichweite geht auch grosse Verantwortung einher. Bis die Big Names unter den Social-Kanälen dieser Verantwortung von allein gerecht werden, ist deine Achtsamkeit gefragt. 

Im Umgang mit TikTok, Instagram und Snapchat sollten dir die folgenden Punkte bewusst sein: 

TikTok, Instagram und Snapchat kennen unter anderem

          Den Inhalt (!) und den Versandzeitpunkt der Nachrichten, die du versendet hast

          Deine E-Mail-Adresse und/oder Telefonnummer

          Deinen Standort

          Deine Interessen

          Deine Kontakte

          Dein Geschlecht

          Dein Alter

          Deine IP-Adresse

          Deine Handy-Identifikationsnummer

Wo sind die Server, auf dem deine Daten gespeichert werden?

          Snapchat: USA

          Instagram: USA oder «jedem anderen Land, in dem Insta Standorte hat»

          TikTok: USA, Singapur und bald auch Irland. In Irland soll das erste europäische Datencenter von TikTok entstehen. Dort sollen auch die Daten aller europäischen User abgespeichert werden. Bis es so weit ist, liegen deine Daten allerdings entweder in den USA oder in Singapur.

Weshalb ist der Server-Standort wichtig?

Wo der Server steht, entscheidet darüber, welche Datenschutzgesetze zum Zuge kommen. Chinesische oder amerikanische Server sind um einiges weniger vertrauenswürdig als ein Server, der in der Schweiz oder in Europa steht. China ist faktisch eine Diktatur, die Daten sammelt, um sie gegen die eigene Bevölkerung zu verwenden. Und in Amerika wird der Datenschutz grundsätzlich zu Gunsten der Unternehmen ausgelegt. In der Schweiz gibt es das Bundesgesetz über den Datenschutz (DSG). In der EU gilt die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die uns zwar das mühsame Cookie-Absegnen bei jedem Seitenbesuch eingebrockt hat. Aber sowohl die DSG als auch die DSGVO schützen die Konsumenten grundlegend vor Datenmissbrauch durch Unternehmen und schaffen Transparenz.

Pass deine Einstellungen an

Eines ist sicher: Die vordefinierten Datenschutzeinstellungen in deinen Apps taugen nichts. Wenn du nicht auf TikTok, Instagram oder Snapchat verzichten möchtest, kannst du – Datenschutzgesetz sei Dank – die Rechte der Apps einschränken, so dass aus dem reissenden Datenfluss ein überschaubares Datenbächli wird. 

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