28. November 2021

Woher weiss Insta, dass ich auf Zalando shoppe?

Die Webseiten, die du besuchst, erkennen dich. Und sie wissen oft, was für Produkte du dir zuletzt angesehen hast. Wie kann das sein?

Du schliesst den Tab und mit ihm den prall gefüllten Warenkorb. Man soll sowieso bewusster einkaufen. Und ausserdem bist du diesen Monat eh knapp bei Kasse. Ein bitzeli wehmütig widmest du dich wieder Instagram. Und dann tauchen in deinem Insta-Feed plötzlich die Produkte aus deinem Warenkorb auf. Zufall? Denkste!

Marketing-Menschen lieben Cyber-Stalking

Die Technologie hinter diesem Werbe-Stalking nennt sich Retargeting und funktioniert mit Hilfe von Cookies. Cookies sind kleine Codes, bestehend aus einer Abfolge von Zahlen. Um dich stalken zu können, platzieren Werbeserver besondere Tracking-Cookies in deinem Browser. Beim Surfen auf der Zalando-Seite wird ein Cookie in deinem Google-Chrome-Browser abgespeichert. Interessant wird es, nachdem du den Zalando-Tab geschlossen hast. Wenn du dann beispielsweise die Facebook-Page öffnest, erkennt Facebook dein Cookie und sieht, was du dir auf Zalando alles angeschaut hast. Nun wird dir eine Anzeige zu genau diesen Produkten angezeigt. Marketing-Abteilungen lieben das Retargeting, denn so können sie dir passgenaue Werbung ausspielen. Und du vergisst deinen alten Warenkorb nicht.

Website: «Backe, backe Cookies»

Abgesehen von den Tracking-Cookies gibt es auch Session-Cookies. Und ohne Session-Cookies läuft auf Webseiten rein gar nix. Denn diese Cookies verfolgen nicht deinen Weg durchs Internet, sondern welche Unterseiten du dir innerhalb einer Webeite ansiehst. Session-Cookies speichern deine Systemeinstellungen ab. Ohne sie müsstest du beispielsweise auf jeder Unterseite deine Login-Daten neu eingeben. Das Surf-Erlebnis wäre deutlich unangenehmer.

Welche Daten greifen Cookies ab?

Die Session-Cookies sind harmlos und dienen primär dazu, dass das Surfen Spass macht. Die Tracking-Cookies hingegen haben es faustdick hinter den Ohren. Meist handelt es sich um Third-Party-Cookies, die auch beim Retargeting (Zalando-Beispiel) zum Einsatz kommen. Das sind Cookies, die nicht vom Website-Besitzer selbst stammen, sondern von den Werbeanbietern. Die Third-Party-Cookies tragen deine Daten von Website zu Website. Unabhängige Werbeanbieter, Google und Facebook können so nachvollziehen, wo du dich im Internet rumtreibst. Sie kennen deine IP-Adresse und wissen, was du googelst, wenn keiner hinsieht. Deine sexuelle Orientierung, die Scheidung deiner Eltern, deine Liebäugelei mit dem Buddhismus oder wie es gerade um deine Gesundheit steht: Diese Cookies wissen alles. Problematisch wird die Sammelwut der Cookies, wenn umfangreiche Nutzerprofile zusammengestellt werden. Dann wird aus unabhängigen Datenpunkten eine Sammlung von – zwar anonymisierten – aber höchst sensiblen und sehr privaten Informationen. 

Dürfen die das?

Ja, sie dürfen – aber nur, wenn du es ihnen erlaubst. Vor etwas mehr als drei Jahren hat die EU die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) eingeführt. Seither wirst du jedes Mal, wenn du eine Website aufrufst, von einem Cookie-Banner begrüsst. Die DSGVO schreibt vor, dass sich keine Cookies ohne deine Einwilligung in deinem Browser einnisten dürfen. Diesen Prozess nennt man Opt-in. Wenn du jetzt denkst «Aber die Schweiz ist gar nicht Teil der EU» hast du vollkommen recht. Für viele Schweizer Websites gilt die DSGVO trotzdem. Insbesondere dann, wenn sie Schweizer Kunden in der EU haben. Aus User-Sicht ist das ständige Wegklicken der Cookie-Banner zwar lästig. Gleichzeitig zeigen die Cookie-Banner aber auch eindrücklich, dass dich fast ausnahmslos jede Website ausspionieren will. DSGVO sei Dank kannst du aber schon beim Betreten der Website mitteilen, wenn du das nicht möchtest. 

Nimm nur die Session-Cookies an

Die Cookie-Banner unterscheiden häufig zwischen «Erforderliche Cookies», «Marketing-Cookies» oder «Analyse- oder Statistik-Cookies». Die Session-Cookies gehören zu den «erforderlichen». Die kannst du bedenkenlos annehmen. Bei den Tracking-Cookies und Third-Party-Cookies hingegen sieht die Sache anders aus. Sie fallen in die Kategorie «Marketing- und Analyse-Cookies» und auf die kannst du getrost verzichten. Das tut der Funktionstüchtigkeit der Website keinen Abbruch. Die Einstellung im Cookie-Banner vorzunehmen, kostet 3 Sekunden und macht dich aber wesentlich intransparenter für die Werber, die dir im Hintergrund was verkaufen möchten. 

Ab 2022 unterstützt Google keine Third-Party-Cookies mehr

Das ärgste Gruseln wird wohl spätestens 2022 ein Ende haben. Denn dann dreht Google den Third-Party-Cookies den Saft ab. Saft abdrehen heisst in diesem Fall: Google unterstützt keine Third-Party-Cookies mehr und weil Google quasi das Eingangstor zum Internet ist, wird das Stalken und das Retargeting für Unternehmen deutlich schwieriger. Aber mal ganz abgesehen davon: Deine Privatsphäre und deine Daten solltest du immer schützen.

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